Feeling-Stuck-Serie Teil 1: Warum du nicht weiterkommst und wie Raja Yoga helfen kann

Cover Feeling-Stuck-Serie Teil 1

Kennst du das? Du ernährst dich gesund, meditierst regelmäßig, gehst fleißig in die Yogastunde und folgst der ein oder anderen spirituellen Weisheit, aber trotzdem kommst du in deiner Entwicklung nicht weiter? Vielleicht fällt es dir auch nach dem anfänglichen „Spiritual High“ schwer, bei deiner Routine zu bleiben. Manchmal fühlt es sich so an, als würden wir steckenbleiben zwischen Mantra und Memes. Müssten nicht langsam größere Veränderungen passieren? Wir reden von mehr innerem Frieden (aka. sich nicht mehr von allem und jedem triggern zu lassen), mehr Erfüllung in Job und Liebe, mehr Mitgefühl für uns und alle anderen – oder was genau ist denn unser Ziel auf dem Weg der Spiritualität? Ist es die Erleuchtung, von der so viele sprechen?

Yoga ist zumindest dann erreicht, wenn die Wechselbewegungen des Geistes zur Ruhe kommen (Yogas chitta vritti nirodhah). Wir sind ein wenig wie eine dreckige Scheibe, die durch verschiedene Tools und Techniken gereinigt wird, damit wir endlich unsere wahre Essenz erkennen – unser Selbst, abseits von der Identifikation mit dem Körper und allem, was vergänglich ist.

Die Reise ist nicht linear, manchmal läuft alles wie am Schnürchen (wir sind dann im Kriya, im Flow), manchmal kommt aber Karma in Form eines externen Ereignisses und wirft uns wieder aus der Bahn. Wo auch immer du auf deiner Reise bist, möchte ich, dass du weißt: Es ist in Ordnung! Genau da, wo du bist, sollst du sein. Unser Ego vergleicht sich gerne und zweifelt auch mal an der Effektivität unserer Praxis und Lehre. Oder es zweifelt an uns selbst, fragt sich, „mache ich es vielleicht falsch?“

Und ja, wir alle haben diese Momente, in denen wir in der Dunkelheit verweilen und uns nach einem Lichtstrahl sehnen, der uns den Weg weist. Es ist Teil des Menschseins, dass wir uns hin und wieder verirren. Aber, und das ist wichtig, wir müssen uns immer daran erinnern, dass wir die Schöpfer unseres eigenen Schicksals sind. Wir haben die Macht, uns von unseren Ängsten zu befreien und unsere Träume zu verwirklichen.

Eins der ersten Dinge, die wir tun sollten, ist innezuhalten und ehrlich zu uns selbst zu sein. Fragen wir uns: Was hält mich wirklich zurück? Ist es die Angst vor dem Scheitern? Die Sorge, nicht gut genug zu sein? Oder vielleicht die Komfortzone, in der wir uns versteckt halten, um bloß keine Risiken einzugehen? Es ist nicht immer leicht, sich diesen Fragen zu stellen, aber es ist ein wichtiger erster Schritt, um herauszufinden, warum wir uns nicht weiterentwickeln.

Also, was können wir tun, wenn wir auf unserem spirituellen Weg nicht mehr weiterkommen? In dieser Serie teile ich mit euch bewährte und auch nicht bewährte (dafür geile) Methoden, um wieder weiterzukommen und uns wieder mit unserem authentischen Weg zu verbinden.

Back to Basics: Raja Yoga und die Yamas & Niyamas

In den Yoga Sutras von Patanjali, einer der wichtigsten Schriften des Yoga, ist ein ganz genauer Weg vorgegeben – nämlich der Raja Yoga. Wenn wir ihm folgen, werden wir auch das Ziel (Yoga) erreichen. So die Theorie. Obwohl Asana und Meditation (Dhyana) wichtige Bestandteile des Raja Yoga sind, sind sie eigentlich fortgeschrittene Stufen auf diesem tiefgründigen Pfad der Selbstverwirklichung. Wenn du ein Haus baust, fängst du auch nicht damit an, das Dach zu bauen. Wir brauchen erst das Fundament. Genauso ist es mit deiner Reise. Für Meditation legt das Fundament die Praxis von Yama und Niyama. Im Prinzip beschreiben die Yamas und Niyamas, wie man ein „guter“ Mensch ist. Es sind also moralische Verhaltensregeln mir selbst und allen anderen gegenüber. Aus der Kirche kennt man das in etwa als die 10 Gebote. Erst dann kommt die Praxis von Asana und als ebenfalls wichtiger Schritt (komplementär) folgt Dharana – die Übung von Konzentration.

Übung 1: Stream of Consciousness Journaling

Nimm dir 10 Minuten Zeit (Handytimer) und schreibe einfach drauflos. Am Ende der Zeit liest du dir deinen Text durch und filterst die wichtigsten Punkte heraus.

Nachdem du die wichtigsten Punkte aus deinem Text herausgefiltert hast, könntest du auch versuchen, eine kurze Zusammenfassung oder Schlussfolgerung zu schreiben, um deine Gedanken zu strukturieren und zu reflektieren.

Übung 2: Yama Journaling

Schreibe zu jedem Yama und Niyama eine Bestandsaufnahme. Sei dabei radikal ehrlich zu dir, alles andere führt dich nur im Kreis. Nutze zum Beispiel folgende Fragen als Impulse zum Schreiben:

Yamas

Ahimsa (Gewaltlosigkeit) => Wie gehe ich mit mir und anderen um? Füge ich mit meinen Gedanken/Worten/Handlungen mir oder anderen Lebewesen Schaden zu?

Satya (Wahrhaftigkeit) => Bin ich zu mir selbst ehrlich oder mache ich mir bei bestimmten Dingen etwas vor? In welchen Situationen lüge ich?

PS. Wenn du zwischen Satya und Ahimsa entscheiden musst, wähle Ahimsa. Manchmal lässt sich die Wahrheit auch sagen, ohne jemanden zu verletzen. Be kind. Always.

Asteya (Nicht-stehlen bzw. Begierdelosigkeit) => Brauche ich wirklich alles, das ich habe? Wo kann ich mehr geben? Bin ich fair im Job/Alltag?

Brahmacharya (Enthaltsamkeit) => Wie gehe ich mit meiner Sexualität und meiner sexuellen Energie um? Wie empfinde ich mein körperliches Verlangen? Kann ich meine sexuellen Impulse bewusst steuern?

Aparigraha (Bescheidenheit) => Wofür bin ich dankbar? Worauf bin ich stolz und wie kommuniziere ich das? Welche Wünsche und Bedürfnisse sind wirklich notwendig und worauf kann ich verzichten?

Checke auch, ob du die 5 Niyamas im Alltag lebst:

Saucha (Reinheit) =>Hier ist zum einen die körperliche Hygiene und Gesundheit gemeint, aber auch die Reinheit unserer Gedanken. Tägliche Asana- und Pranayama-Praxis, sowie eine alltagstaugliche Self-Care-Routine helfen dir, dieses Niyama zu praktizieren.

Santosha (Zufriedenheit) =>Am besten durch Dankbarkeit für alles, was ist, zu üben – für die guten als auch die nicht so guten Dinge in unserem Leben. Leichter gesagt als getan. Löse dich auch von Gedanken wie „ich bin glücklich, wenn ich….erreicht habe“.

Tapas (Disziplin) =>Wofür brennt deine Seele? Das herauszufinden und dem nachzugehen, ohne Wenn und Aber, ist Tapas. Im Yoga ist Tapas zum Erreichen des Höchsten (Self-Realization) nötig, da wir sonst ständig vom Weg abgelenkt werden. Selbstdisziplin ist die höchste Form der Selbstliebe, Baby!

Svadhyaya (Selbst-Studium) =>Zum einen lädt uns dieses Niyama dazu ein, über uns selbst zu reflektieren – aber es geht auch insbesondere darum, unser Wissen zu vertiefen. Nicht rein akademisch, sondern ganzheitlich. Mir hilft es beispielsweise, die SRF Lehrbriefe zu lesen und immer wieder mit meinem Ist-Zustand abzugleichen.

Ishvara Pranidhana (Hingabe) =>Egal bei was du tust, am Ende sollte es dich immer näher zum Höchsten führen. Wir Menschen denken so viel, aber geben wenig davon an eine höhere Instanz ab. Dieses Niyama meint, dass man sich einfach hingeben darf und auf das Universum/auf Gott vertraut. Bhakti Yoga ist ein schönes Beispiel für Hingabe – man stellt sein eigenes Ego hinter den Dienst an dem Höchsten.

Tipps:

  • Du könntest jeden Tag oder jede Woche ein Yama oder Niyama auswählen und tiefer in die Selbstreflexion gehen. Das würde dir helfen, jeden Aspekt gründlich zu untersuchen.
  • Versuche, konkrete Beispiele aus deinem Leben zu finden, die zu jedem Yama oder Niyama passen. Das macht die Übung praktischer und hilft dir, deine Verhaltensweisen besser zu verstehen.
  • Falls du einen Yoga- oder Meditationslehrer hast, könntest du auch mit ihm oder ihr über deine Erkenntnisse und Herausforderungen sprechen, um weitere Einsichten zu gewinnen.
  • Wenn du dir eine regelmäßige Journaling-Routine aufbauen willst, empfehle ich dir das 6-Minuten Tagebuch!


Ich hoffe, diese Sichtweise und die Übungen helfen dir dabei, einen Knoten zu lösen oder zumindest eine frische Perspektive auf deine Situation und deinen Weg zu erhalten.

Ein wahnsinnig inspirierendes Buch für mich in diesem Zusammenhang des „Feststeckens“ war Fear of Flying von Erica Jong.

Schreibe mir gerne bei Instagram, wenn du eine der Übungen gemacht hast (@healthywildthing) und teile mit mir, wo du gerade stehst.

From my burning heart to yours,
Anika

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